Der unaufhaltsame Siegeszug

Bei den Zwergwiddern erfreuen sich die grauen Farbenschläge in ihrer Gesamtheit einer starken Verbreitung. In Erfurt wurden 516 „Graue“ ausgestellt, womit deren Anteil wie bei den letzten Bundes-Kaninchenschauen bei etwa 20% der ZwW lag. Allerdings sprechen wir hier von der Summe aller grauen Farbenschläge, in der die wildfarbenen ganz klar und deutlich hervorstechen.

Beliebtheit der Zwergwidder

Für die Einen stellt das majestätische Erscheinungsbild der Widderkaninchen mit seinem markanten Kopf, seiner auffälligen Ramsung, seinem hufeisenförmig getragenen „Beng“ und seiner ausgeprägten „Krone“ den Inbegriff dessen dar, was überhaupt durch züchterische Arbeit am Kaninchen geformt und gestaltet werden kann. Man könnte an dieser Stelle sagen, die Widderkaninchen setzen der Vielfalt der Rassekaninchenzucht ihre spezielle Krone auf.

Für die Anderen hingegen stellen die Widder „gar keine richtigen Kaninchen“ dar, sondern eher eine „Verzüchtung“ durch den Menschen. Sicherlich kann man sagen, dass ein Wildkaninchen mit beiderseits herabhängenden Ohren zwangsläufig eine reduzierte Wahrnehmungs- und Orientierungsfähigkeit und somit in der freien Natur keine Chance zum Überleben hätte, aber das hätten die vielen bunten „Normaltypen“ unserer Rassekaninchen auch nicht! Somit sollte und darf über dieses Thema gar keine Diskussion aufkommen.

Fakt ist: Mit der Herauszüchtung der Zwergform traf man den Punkt der Zeit und so nahm die große Beliebtheit dieser wunderschönen Rasse stetig zu und führte zu einer rasanten Verbesserung der Zwergwidder. Für eine weitere Attraktivität sorgt zudem ihre große Farbenvielfalt und ihr ausgeglichener und ruhiger Charakter, der insbesonders großen Zuspruch bei Kindern findet.

Die Geschichte der Zwergwidder

Die Zwergwidder alias Widderzwerge wurden vom Redakteur der niederländischen Kaninchenzeitung „Fokkersbelangen“, Adrian de Cock aus Tilburg herausgezüchtet. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, einen typischen Widder mit einem Gewicht zwischen 1 und 1,5 kg zu züchten, womit er bereits im Jahr 1952 begonnen hatte, indem er eine Farbenzwerghäsin mit einem Deutschen-Widder-Rammler verpaarte.

Mit der Nachzucht aus dieser Verpaarung betrieb Adrian de Cock über viele Generationen hinweg eine strenge Inzucht, wobei er zeitweise hunderte von Tieren gezogen hatte, die jedoch nicht seinen Vorstellungen entsprachen und somit der Küche zugeführt wurden. Durch diese gezielte Selektion kam er zwar seinem Zuchtziel des Größenrahmens von 1 bis 1,5 kg immer näher, jedoch verloren die Tiere nach und nach immer mehr den Widdertyp.

Aus diesem Grund kreuzte er Englische Widder zur Verbesserung der Rassemerkmale ein. Durch diesen Einkreuzungsversuch konnte er die Tiere zwar in den entscheidenden Rassemerkmalen wie Behang und Krone deutlich verbessern, jedoch kamen auch die typischen Merkmale des Englischen Widders zum Vorschein, wie beispielsweise der schlanke Typ und ein schmaler und länglicher Kopf. Und so erfolgte wieder eine Zeit von strenger Selektion, die sich jedoch bewährte. Als Adrian de Cock in Den Bosch seine ersten Rassevertreter präsentierte, waren diese bereits in puncto Größenrahmen und Widdertyp von hervorragender Qualität und das Interesse bei den deutschen Züchtern war schnell geweckt.

Im Jahr 1964 kamen somit die ersten Zwergwidder nach Deutschland, doch ihre Nachzucht konnte die hohen Erwartungen der Züchter bei Weitem nicht erfüllen. Die ach so ansprechenden Elterntiere entpuppten sich als regelrechte Wundertüten und waren alles andere als reinerbig und spalteten in alle erdenklichen Farben und Größen auf. Schwebende Behänge und sogar Stehohren kamen noch erschwerend dazu, sodass viele Züchter trotz der anfänglichen Euphorie das Handtuch warfen und die Zucht wieder aufgaben.

Nur sehr wenige Züchter blieben dabei und versuchten ihrem Traum eines kleinwüchsigen Widders ein Stück näher zu kommen, was sie auch gemeinsam schafften. Der Fleiß und harte Selektionsarbeit wurde im Jahr 1973 belohnt, als die Zwergwidder im deutschen Einheitsstandard unter dem Namen „Widderzwerge“ aufgenommen wurden.

Ab diesem Zeitpunkt ist ihre zahlenmäßige Verbreitung, ihre Qualität und auch die positive Entwicklung der verschiedenen Farbenschläge das Werk von wirklichen Spezialisten der Widder gewesen.

Die Beliebtheitskurve der Zwergwidder geht nach wie vor steil nach oben, wie u.a. die Meldezahlen der Bundesschauen belegen. Das gilt auch insbesondere seit Beginn der 80er Jahre vor allem für die Abteilung Jugend. Auf der 26. Bundes-Kaninchenschau in Stuttgart 2003 betrug der Anteil der Zwergwidder in dieser Abteilung ursprünglich kaum für möglich gehaltene 17,8 Prozent. In Erfurt  2011 waren es 26,8 Prozent Dies trifft nicht nur für die Jugendabteilung zu, denn mit gut 12 Prozent und einer Gesamtzahl von 3927 ausgestellten Tieren markiert die 29. Bundes-Kaninchenschau in Karlsruhe (2009) bisher den absoluten Melderekord.

Widderzwerge oder Zwergwidder?

Wie bereits erwähnt wurden die heutigen Zwergwidder im Jahr 1973 unter dem Namen „Widderzwerge“ im Einheitsstandard geführt. Doch diese Bezeichnung führte von Anfang an zu Diskussionen. Es drängt sich immer wieder die Frage auf, ob die Widderzwerge eigentlich als typische Widderkaninchen in Kleinstformat anzusprechen sind oder ob sie doch eher typische Zwergkaninchen mit herabhängenden Ohren sind oder aber, ob sie vom Erb- und Erscheinungsbild her nichts anderes darstellen als die Mischung zweier Typen.

Ihre Bezeichnung in den Kaninchen-Standards des ZDRK bis 1997 könnte zu dem Schluss führen, dass es vornehmlich auf den Zwergcharakter ankam, denn bei zwei zusammengefügten Substantiven (Widder und Zwerg) ist immer der zweite Teil des zusammengesetzten Wortes der Bedeutungsträger.

Dem widersprach jedoch von Anfang an die Zuordnung der Rasse zu den Widdern und deren Clubs. Im Jahr 2004 erfolgte die Änderung der Bezeichnung im Standard von „Widderzwerg“ zu „Zwergwidder“. Ob diese jedoch aus dem zuvor erwähnten Grund durchgeführt wurde oder aus Tierschutzgründen, da eine allgemein neue Systematik der Bezeichnungen bei den Zwergen erfolgte, würde auch naheliegen.

In Übereinstimmung mit der ursprünglichen Standardbezeichnung galten in älteren Darstellungen „Widderzwerge“ als typische Zwergkaninchen, doch waren sich hier viele Spezialisten wiederum nicht einig. Was sind sie denn nun, das eine, das andere oder etwa beides? 

Dr. Gerhard Hochstrasser gab hierzu im DKZ Nr. 5/1989 und Nr. 19/1989 eine sinnvolle Erklärung ab:

Der Zwergtyp mit seinem genetischen dw-Faktor für Kurzohrigkeit ist bei den „Widder-Zwergen“ nicht anzutreffen - also sind sie auch keine echten genetischen Zwerge. Sie sind in Wirklichkeit nur den Groß-Widdern (mit Riesengewicht) gegenüber eine Zwergform. Da bei ihnen das vorherrschende Rassemerkmal die Widderohrigkeit ist, sind sie immer noch Widderkaninchen geblieben und keine Zwergkaninchen geworden.“

Strenggenommen handelt es sich somit bei einem Zwergwidder nicht um einen Zwerg, sondern um einen sehr kleinwüchsigen Widder. Er bringt Würfe von normaler Größe und Stärke zur Welt. 

Die Eigenarten der Vererbung beim Widder

Die Schwierigkeit bei der Zucht eines perfekten Widdertyps liegen darin, dass die Anlagen für Hängeohren, Krone, Ramskopf und blockige Körperform nicht durch ein einziges Gen bestimmt werden, sondern durch eine Vielzahl unabhängig voneinander wirkender Gene.

Jedes einzelne Merkmal, wie z. B. die Hängeohrigkeit des Zwergwidders, ist somit nicht einem einfach mendelnden Erbgang unterworfen, wie beispielsweise die Fellfarbe, sondern unterliegt einem sehr komplexen „polyfaktoriellen“ Erbgang, d.h. einem Erbgang, an dem viele verschiedene Erbfaktoren mitwirken.

Soll also beispielsweise ein perfekter Behang erzielt werden, so müssen schon allein für dieses Merkmal viele gleichgerichtete „Modifikationsgene“ zusammenwirken, die zudem noch, da sie durch Mutation entstanden sind, meistens rezessiv vererbt werden, d.h. leicht überdeckt werden können. Das bedeutet für die Zucht eine gezielte Anhäufung von Modifikationsgenen durch Selektion, aber auch, dass vereinzelte Anlagen für Hängeohrigkeit selbst bei den „normalohrigen“ Rassen versteckt (= „latent“) vorhanden sein und eines Tages, wenn viele von ihnen in einer Paarung zusammenkommen, zum Vorschein treten können.

Bei diesem Tier geht das Züchterherz auf. Diese typvolle Zwergwidderhäsin präsentiert sich in ihrer ganzen Pracht. Sie weißt eine ebenmäßige, hinten gut abgerundete Körperform auf. Die Hinterläufe stehen parallel zum Rumpf. Kopf und Behang lassen zudem kaum Wünsche offen.

Andererseits kann aber auch bei der Verpaarung „reinerbiger“ Zwergwidder unter Umständen eine so starke Verringerung der zu kombinierenden Erbanlagen eintreten, dass schwebende Behänge, zeitweiliges Aufrechttragen eines Ohres oder ähnliche Erscheinungen auftreten. Diese Erscheinungen sind häufig gekoppelt mit mangelnder Behanglänge, dies ist aber nicht zwangsläufig der Fall.

Der Rassestandard

Die Zwergwidder, wildfarbig werden im aktuellen Rassestandard in der Abteilung IV - Zwergrassen geführt.

Das Gewicht

Der Zwergwidder weist ein Normalgewicht von 1,5 bis 1,9 kg auf, wobei das Mindestgewicht 1,2 kg beträgt und das Höchstgewicht 2,0 kg nicht überschreiten darf.

Aufgrund der Zuchtgeschichte der Zwergwidder ist davon auszugehen, dass bei Zwergwiddern im normalen Gewichtsrahmen der Faktor Dw (Zwergfaktor) in der Regel nicht mehr erkennbar wirksam ist. Doch wie erreichen wir das geringe Gewicht, wenn es offenbar gelungen ist, diesen fruchtbarkeits- und lebensfähigkeitseinschränkenden Faktor erfolgreich zu verdrängen und gleichzeitig die „normalen Wachstumshemmer“ zu bündeln?

Für den Züchter von Zwergwiddern ist es wichtig zu wissen, dass die Kleinwüchsigkeit dieser Rasse nicht hauptsächlich durch einen Erbfaktor (etwa Dw) verursacht wird, sondern durch die Bündelung einer Vielzahl von Erbanlagen, die in der Summe zum gewünschten Erfolg führen. Das ist sicherlich einerseits ein Vorteil (Wurfgröße, Auswahl), auf der anderen Seite ist damit auch ein deutlicher Nachteil verbunden, denn die gewünschte „Zwergform des Deutschen Widders“ wird nur dann erreicht, wenn die Wachstumshemmer tatsächlich in gebündelter Form erbwirksam werden. Auf diesem Wege hat sich in den Spitzenzuchten dieses Farbenschlages ein Gewicht von 1,7 bis 1,8 kg deutlich gefestigt und somit wichtige Voraussetzungen zu einer Vereinheitlichung des Typs gegeben.

Körperform, Typ und Bau

In dieser Position geht es insbesondere um den „kompakten“ Widdertyp. Trotz der Tatsache, dass der Zwergwidder relativ klein ist, sollte er formlich einem Deutschen- und Klein-Widder ähneln. Das bedeutet, sie sollen einen von hinten bis vorn gleichmäßig breiten, kurzen Körper mit kräftigem muskulösen Nacken zeigen. Die Rückenlinie soll ebenmäßig und im Bereich des Beckens gut abgerundet sein. Die Läufe sollen kurz, gerade und mittelstark sein. Wünschenswert ist auch eine gewisse Bodenfreiheit, damit sich das Tier in seiner ganzen Pracht präsentieren kann. Und das geht nun mal nur, wenn das Tier auf dem Preisrichtertisch eine entsprechende Haltung zeigt.

Dennoch werden vorstehend Zuchtziele aufgelistet, deren Realisierung in manchen Zuchten noch Probleme bereiten. Gerade bei den Zwergwiddern tritt in einigen Zuchten besonders häufig ein Körperformfehler auf, der auf den Bewertungsurkunden mit der Bemerkung „lose Fellhaut“ bestraft wird. Wie kann man das Zustandekommen eines solchen Fehlers genetisch erklären?

Offenbar ist es doch so, dass durch eine Kombination verschiedener Wachstumshemmer eine Verkleinerung des Skeletts und der Bemuskelung mit Erfolg erreicht worden ist, dass aber auf der anderen Seite die maßstabgerechte Reduzierung der Fellhaut noch nicht im Erbbild verankert ist.

Das linke Tier zeigt mittellange Vorderläufe und parallel zum Körper stehende Hinterläufe. Des Weiteren zeigt das Tier einen idealen Auftritt. Der rechte Rassevertreter hingegen tritt deutlich durch

 

Der Züchter spricht in diesem Fall davon, dass dem Tier „sein Anzug zu groß ist“. Dies ist vornehmlich bei Zwergwiddern zu beobachten, deren Rumpf noch relativ lang und vorne etwas schmal ist. In Zuchten, wo dieser Fehler vermehrt auftritt, kann nur durch konsequenter Selektion entgegen gewirkt und somit der Fehler beseitigt werden.

Auch muss bei den Zwergwiddern weiterhin auf die Kuhhessigkeit der Hinterläufe geachtet werden. Zwar kommt sie in vielen Zuchten bereits nicht mehr vor, dennoch zeigen einige Rassevertreter bei genauer Betrachtung noch diesen Fehler, bei dem die Sprunggelenke deutlich näher beieinanderstehen als die Zehen der Hinterläufe

Das Fell

Das Fell soll nach aktuellem Rassestandard eine feine Struktur aufweisen, mit einer guten Unterhaardichte und sich zudem durch seine feine gleichmäßige Begrannung (wie im Bild oben) auszeichnen. Des weiteren ist es an den Größenrahmen der Zwergwidder angepasst und entsprechend verhältnismäßig kurz. Kürzere Felle zeichnen sich insbesondere durch eine griffigere Struktur und eine intensivere Farbewidergabe aus. Diese Formulierung zur Haarlänge war aber nicht immer so. Vor der Standardänderung im Jahr 2004 gab es keinerlei Angabe zur Länge des Felles und so wurden immer wieder Tiere mit etwas längeren Fellen in der Zucht eingesetzt, nur um einen starken Kopf beim Tier vorzutäuschen. Der Kopf ist eines der Hauptrassemerkmale und sollte durch sich selbst wirken und nicht durch überlange Felle. Schlussendlich betrügt der Züchter sich selbst. Ein kurzes Fellhaar passt nicht nur besser zum Rassetyp sondern unterstreicht ihn und verbessert insbesondere die Fellqualität.

Kurz und kompakt, dass ist das Markenzeichen der Zwergwidder, wildfarben. Der untere Rassevertreter spiegelt diese Standardbeschreibung wider.

Kommen wir nun zur geforderten „feinen“ Struktur des Fellhaares. Die Struktur setzt sich durch das optimale Zusammenspiel von Unter,- Deck,- und Grannenhaar zusammen. Die elastischen Deck- und Grannenhaare liegen dabei als schützendes äußeres Haarkleid über dem kürzeren, gekräuselten (nicht wollig gewellten), wesentlich dünneren und für den Wärmeausgleich verantwortlichem Unterhaar.

Ein geschmeidiges Deckhaar verleiht dem Fell seinen gesunden Glanz und lässt auch die Fellfarben intensiv leuchten. Hartes Deckhaar mit grober Granne passt nicht zu den Zwergwiddern, ebenso wenig aber auch ein weiches und zotteliges Fell, dessen schlechte Struktur sich in einer Neigung zur Filzbildung bemerkbar macht.

Streicht man das Fell gegen die Wachstumsrichtung, so kehrt ein angemessen dichtes Fellhaar langsam in seine Ausgangslage zurück. Der Haarboden wird dabei kaum sichtbar, auch wenn man in das Fellhaar hineinläst

Angemessen dichtes Deck- und Unterhaar vererbt sich recht zuverlässig. Natürlich wird die Dichte des Fellhaares auch von den Umwelteinflüssen mitbestimmt, aber im Gegensatz zum jeweiligen Fellzustand sind hinsichtlich Dichte und Struktur die Erbanlagen ausschlaggebender.

Der Widderkopf

Zwergwidder sind eben nur besonders kleine Widder. Aus diesem Grund gehört zu einem idealen Zwergwidder natürlich auch ein richtiger Widderkopf, der neben Behang und extrem gedrungener Form, das dritte Typmerkmal darstellt und in bester Ausprägung gezeigt werden sollte.

Zunächst einmal muss der Kopf eines Zwergwidders auffällig sein und im Verhältnis zum Rumpf markant in Erscheinung treten, was sowohl dem Rammler als auch der Häsin ein erhabenes, würdevolles Aussehen verleiht. Eine übertriebene Ausprägung der Kopfbildung, die in einem unrechten Verhältnis zum Rumpf steht, wirkt allerdings befremdend.

Die breite und kraftvoll entwickelte Schnauzpartie, die ausgeprägten Backen und die Stirnbreite tragen dazu bei, den Kopf kurz, prägnant und kompakt erscheinen zu lassen. Wenn dann noch die entsprechende Ramsung hinzukommt, welche sichals kurze, steil gebogene Stirn- und Nasenrückenpartie ausdrückt, ist das Ideal vollkommen. Das Gegenteil wären hierzu die etwas lang gezogenen Köpfe der englischen Widder, welche auch umgangssprachlich „Schafsköpfe“ genannt werden.

Hier ist züchterisch bereits Hervorragendes geleistet worden, was sicherlich zur Beliebtheit der Zwergwidder beigetragen hat. Jedoch, und das muss an dieser Stelle auch gesagt werden, ist mittlerweile kaum noch zwischen Häsinnen und Rammlern hinsichtlich der Kopfbildung zu unterscheiden.

Der Standard beschreibt jedoch als schweren Fehler einen ausgeprägten Rammlerkopf bei Häsinnen. Dies betrifft bei den Zwergwiddern insbesondere die Stirnbreite und vor allem die Ausbildung der Backen. Doch warum sollte hier züchterisch entgegen gewirkt werden? Es hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, dass Häsinnen, die im ausgesprochenen Rammlertyp stehen, sehr häufig nur sehr wenige Jungtiere gebären und zudem vermehrt Schwierigkeiten bei der Geburt aufgetreten sind (Totgeburten) und sie zudem schlechte Milchleistungen aufweisen. Man führt dies auf eine höhere Konzentration männlicher Hormone zurück, was aber noch nicht systematisch erforscht wurde. Deshalb sollten die Häsinnen schon einen kräftigen kurzen Kopf haben, aber vor allem sollten die Backen als auch die Stirnpartie weniger stark ausgeprägt sein.

Beim heutigen Zuchtstand sollte man jedoch getrost auf Zuchttiere verzichten, die typische Kopffehler wie geschlechtsuntypische Kopfbildung, schwache Kopfbildung, einen schmalen und länglichen Kopf, eine spitze Schnauzpartie, mangelnde Stirnbreite und eine schwach ausgeprägte Ramsung zeigen. Allein die Aufzählung dieser Fehler zeigt, dass es sie hier und da noch gibt und sie durch geplante Selektion verdrängt werden sollte. Schlussendlich muss man jedoch sagen, dass die wildfarbigen Rassevertreter hier bereits hervorragende Köpfe präsentieren.

Behang

Das majestätische typische Erscheinungsbild des Zwergwidders wird durch den Behang und der Krone (ausgeprägte Wülste) erst vollendet. Die Kronen der Widder sind wulstartige Erhebungen aus Knorpelmasse am Ohrenansatz. Ihre Ausprägung und ihre Struktur sind gleichzeitig entscheidend für das richtige Tragen des Behangs.

Der Behang selbst soll den ausgeprägten Kopf des Zwergwidders hufeisenförmig einrahmen und verleiht ihm dadurch optisch noch mehr Breite.

Ein generelles Problem ist die Beschreibung „hufeisenförmig“, denn sollte ein Behang mit seiner Krone wirklich so aussehen wie ein Hufeisen, so würden die Ohren oben sehr weit abstehen, um eben diesen Bogen zu haben. Das sieht aber eher unschön aus und solche Tiere neigen dann auch eher zu einem schwebenden Behang.

Vielmehr ist dann wohl eher die Rundung der Ohren an sich damit gemeint. Diese sollen in einem leichten Bogen mit der Schallöffnung nach innen gerichtet sein. Allerdings ist es besonders bei den Zwergwiddern so, dass diese eher gerade sind und die Ohrenspitzen doch mit Abstand von den Backen weg stehen. Und weil wir schon bei den Backen siide Ohren betreffen, denn nichetwas negativ auswirken, denn ein kräftiger stabiler Behang schmiegt sich nicht so leicht an, so dass auch dieser, aber wegen großer Backen, leicht abstehend bis schwebend t selten sieht man auch unterschiedlich getragene Ohren. Und auch der Standard hat „ein zeitweiliges Aufrechttragen einer oder beider Ohren“ als Fend, können sich auch diese erscheint. Ein weiterer Grund für einen schwebenden Behang könnte sein, dass der Behang zu spät „hängengelassen“ wurde. Das kann eines oder behler aufgenommen.

Fällt der Behang zu früh, hängen die Ohren zwar besser herunter, aber dafür ist in der Regel die Krone zu flach. Das heißt, die Wülste sind nicht richtig ausgeprägt. Das verändert sich nicht mehr, wird allerdings auch sehr selten bemerkt. Zudem sind dann die Struktur und die Form der Ohren oftmals nicht so gut. Dieser Behang zeichnet sich dann meistens durch im Gewebe schwach ausgeprägte Ohren aus, die zudem noch meistens faltig werden. Auch sollten die Ohren schön abgerundet sein, was aber viel zu oft nicht beachtet wird, da einige Preisrichter nur die Länge interessiert.

Hinsichtlich der Behanglängen gehen die Meinungen vieler Züchter auseinander. Zwergwidder mit 23 cm Behanglänge können ebenso einen hervorragende Tragweise des Behanges aufweisen, wie auch Rassevertreter mit 27 cm langen Behängen. Anders herum, kann ein Behang mit 24 cm schwebend sein wie einer mit 28 cm. Dies liegt aus anatomischer Sicht nach wie vor daran, wie er denn am Kopf angesetzt ist und wie die Ausbildung des Kopfes ist.

Wichtig ist zudem, dass Körperform, Kopf und Behang in einem harmonischen Verhältnis zueinander stehen. 

<<< Vorzüglich getragener Behang in hufeisenform.

Dieses Jungtier aus der Zucht von Christopher Schade zeigt bereits jetzt einen vorzügliche Tragweise des Behanges

Farbe

Bei dem Begriff „Grau“ handelt es sich um eine stark grobe Sammelbezeichnung für eine Vielzahl farblicher Erscheinungsformen, wie wild-, hasen-, dunkel-, eisengrau sowie hasenfarbig. 

Beliebtheit einerseits und Vielfalt im äußeren Erscheinungsbild andererseits lassen es angebracht erscheinen, die aktuellen Vorgaben für die Meldung zu den Schauen zu klären.

Eine Schwierigkeit für den Züchter bestand und besteht darin, dass die Farbenschläge selten in Reinform vorkommen. Ihre unscharfe Trennung unter der Sammelbezeichnung „Grau“, ihre recht ungenaue Beschreibung in den bisherigen Standardtexten, die wenig kontrollierte Verpaarung der Farben in der Zuchtpraxis und die oft recht oberflächliche Bewertung der jeweiligen Farbanforderungen sind wohl die Ursachen dafür, dass es zu Vermischungen der Erbanlagen und demzufolge auch zu Mischformen im Erscheinungsbild kam.

Der allgemeine Teil des aktuell gültigen Standards 2004 versuchte durch eine präzisere Beschreibung der fünf anerkannten idealtypischen Farbenschläge wild-, hasen-, dunkel-, eisengrau und hasenfarbig und ihrer fehlerhaften Abweichungen ein wenig Ordnung in die Vielfalt zu bringen.

Wildfarbene Zwergwidder

Einerseits sollte dadurch die Reinzucht der vorgenannten fünf „grauen“ Varianten wieder gefördert und durch die korrekte Bezeichnung jedes Einzeltieres im Zuchtbuch und im Rahmen der Schaumeldung eingefordert werden, andererseits durften nunmehr die unterschiedlichen grauen Farbenschläge beschränkt gemeinsam in einer Zuchtgruppe ausgestellt werden (eisengrau plus dunkelgrau; wildgrau plus hasengrau). Alle anderen Kombinationen sollten zum Ausschluss vom Zuchtgruppenwettbewerb führen. Das Vorhaben, „dem Vermischen von Anlagen innerhalb der Schwarzwildfarbigkeit ein Ende zu setzen“ und zugleich eine Zuordnung zu zwei Farbgruppen zu ermöglichen, wurde in der Fachwelt sehr begrüßt (Eknigk, a.a.O., S. 28), zumal die phänotypischen Ähnlichkeiten innerhalb der Farbgruppen zu einer gemeinsamen Zuchtgruppenzugehörigkeit einluden.

Bei diesem Rassevertreter tritt die blaue Unterfarbe am Bauch und im Bereich des Afters deutlich in Erscheinung

Die wildfarbenen Zwergwidder bilden nach wie vor den sehr stark verbreiteten Kernbereich der schwarzwildfarbigen Zwergwidder. Eigentlich handelt es sich hierbei um zwei klassische Farbenschläge, nämlich wildgrau und hasengrau. Hinzu kommen die nicht mehr aus der Welt zu schaffenden diversen Kombinationen dazwischen, was trotz einfacher Zählung mindestens drei Farbenschläge ausmacht. Oder besser gesagt: Zwischen den beiden Farbenschlägen wild- und hasengrau liegt ein sehr vielfältig ausgeprägter Mischbereich, der sogar noch darüber hinaus in Richtung hasenfarbig und dunkelgrau variieren kann. Tiere mit eindeutig wildgrauer Färbung der Rumpfoberseite und dennoch cremefarbiger Bauchdeckfarbe und relativ breiter Zwischenfarbe kommen ebenso vor wie solche mit rötlich anmutender Rumpfoberseite, schwacher Zwischenfarbe und kaum gesprenkelter Blumenoberseite. Zu mehr Einheitlichkeit kann nur eine eindeutige und einheitliche Bewertung führen.

Die wildfarbenen Zwergwidder bilden nach wie vor den sehr stark verbreiteten Kernbereich der schwarzwildfarbigen Zwergwidder. Eigentlich handelt es sich hierbei um zwei klassische Farbenschläge, nämlich wildgrau und hasengrau. Hinzu kommen die nicht mehr aus der Welt zu schaffenden diversen Kombinationen dazwischen, was trotz einfacher Zählung mindestens drei Farbenschläge ausmacht. Oder besser gesagt: Zwischen den beiden Farbenschlägen wild- und hasengrau liegt ein sehr vielfältig ausgeprägter Mischbereich, der sogar noch darüber hinaus in Richtung hasenfarbig und dunkelgrau variieren kann. Tiere mit eindeutig wildgrauer Färbung der Rumpfoberseite und dennoch cremefarbiger Bauchdeckfarbe und relativ breiter Zwischenfarbe kommen ebenso vor wie solche mit rötlich anmutender Rumpfoberseite, schwacher Zwischenfarbe und kaum gesprenkelter Blumenoberseite. Zu mehr Einheitlichkeit kann nur eine eindeutige und einheitliche Bewertung führen.

Hier noch einige praktische Hinweise: Bei der Zucht der Farbe muss auf ein klares Farbenspiel im Trichter und eine saubere Abgrenzung der Zwischenfarbe geachtet werden. Auch eine am Haarboden stark nach weiß hin aufhellende Unterfarbe gilt es konsequent zu verdrängen. Keine Probleme dürfte die Zucht des Typs und guter Felle aufwerfen, denn aufgrund der starken Verbreitung gibt es diesbezüglich schon hervorragende Vertreter in ausreichender Zahl.

Vielen Dank an Walter Hornung und Christopher Schade für die tolle Zusammenarbeit.

Marina Walks

Quelle: Zwergwidder, 5. Auflage, Oertel und Sprörer, Walter Hornung

Anmerkungen

Es wäre zu wünschen, dass die bei den wildfarbenen und weißen Zwergwiddern überzeugend erreichte Festigung des Gewichtsrahmens im Bereich von 1,6 bis 1,8 kg mit der damit verbundenen Kürze und Blockigkeit des Rumpfes bereits auch bei vielen anderen Farbenschlägen umgesetzt worden wäre. Bei meinen rhönfarbigen Zwergwiddern habe ich nach dem notwendig gewordenen Einsatz eines fremden Rammlers wieder mal Probleme damit, dafür aber große Würfe und überhaupt keine Probleme mit dem Werfen.

Oft wird berichtet bzw. behauptet, dass die Reduzierung des Normalgewichts um 100 Gramm im Standard 2004 ursächlich sei für Probleme, die einige Häsinnen beim Werfen haben. Hier neige ich eher zu der Gegenthese, dass die Tendenz zu „Superköpfen“ und die Auswahl entsprechend kompakter Häsinnen mit entsprechenden Köpfen, sprich die Summierung von „androgenem Testosteron“ eher zur Erklärung beiträgt.

Angesichts der Vielfalt der Farbenschläge bei allen drei klassischen Widderrassen würde ich es für sinnvoll halten, dass die AG der Widderzüchter im Rahmen der Erstellung des Standards 2018 massive Überlegungen darüber anstellen sollte, ob es nicht doch sinnvoll wäre, die Positionen „Kopfbildung“ und „Behang“ in einer Position zusammenzuführen  -  analog zu der Position „Kopf und Ohren“ bei vielen anderen Rassen. Dadurch ergäbe sich mehr Spielraum für die differenzierte Bewertung der Anforderungen an Farbe und Zeichnungsmustern.

Walter Hornung

 

 

Dieser Rassevertreter zeigt vorzügliche Vorderläufe, auf denen keinerlei Bindenansätze zu sehen sind.

Das obere Bild zeigt eine vorzüglich gesprenkelte Blumenoberseite. Auf dem unteren Bild ist ein Zehenbüschel zu erkennen, der bei einigen Rassevertretern dieses Farbenschlages häufiger vorkommt. Hier ist züchterisch entgegen zu wirken.

 

Siehe:  Europa - Standard 2012

Wir danken Kleintiernews für den Bericht und die Bilder

Das Copyright für diesen Bericht und den Bildern iegt bei Kleintiernews bzw. der Arbeitgemeinschaft der Widderzüchter.

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